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Info Nr. 20091221 / Dezember 2009 pro vita – Stiftung zur Bekämpfung weltweiter Armut und zur Förderung menschenwürdiger Lebensbedingungen Jahresbericht 2009 – Hilfe für Nepal „Nichts ist uns wichtiger, als anderen einen Nutzen zu stiften, bedürftigen Menschen Hoffnung und Ermutigung zu geben.“ (Harald Röder, Präsident des Kuratoriums der Stiftung pro vita) Schwäbisch Gmünd, 21. Dezember 2009. Nepal – ein faszinierendes Land voller Gegensätze. Ein Land der Farben und des Lachens. Aber auch ein Land der Krankheiten und der Entbehrungen. Und mit einem Bruttonationaleinkommen (BNE) von 250 US-Dollar pro Kopf per anno das drittärmste Land der Welt. (Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das BNE 23.700 US-Dollar pro Jahr.)
„Wir sind uns dessen bewusst, dass durch die erdrückend hohe Anzahl der im Elend lebenden Nepalesen bei uns die Gefahr besteht, mit der Zeit abzustumpfen und ihre Hilferufe nicht mehr zu hören. Aber wir wollten und wollen uns auch weiterhin nicht abwenden. Und so hoffen wir, auch künftig wieder gemeinsam mit anderen Entwicklungshelfern, Partnern und Organisationen einen Beitrag leisten zu können, um im Rahmen unserer Möglichkeiten die Not in der Welt wenigstens ein bisschen zu lindern.“ Mit diesen Worten stellte Harald Röder, Präsident des Kuratoriums der Stiftung pro vita, deren Freunden und Förderern den jüngst erschienen „Jahresbericht 2009 – Hilfe für NEPAL“ vor. In diesem findet der Leser unter anderem Berichte vom Armenhospital Shanti Seha Griha der Shanti Leprahilfe, vom Programm „Ausbildung und Qualifizierung nepalesischer Mädchen“ mit der Erfolgsgeschichte von Bindu Hima Devi Chamlagai sowie den Govinda-Projekten Shangri-La Orphanage und International School. Eindrucksvolle Beispiele für selbstlose, effiziente Unterstützung, bestückt mit Bildern, die Hoffnung und Ermutigung vermitteln. Armenhospital Shanti Seha Griha der Shanti Leprahilfe
Nur ein paar Zeilen per E-Mail – und dennoch ist sie nicht zu überlesen, die Freude über ein Geschenk, das aus dem Sanitätshaus Schad mit Sitz in Aalen stammt. Dessen Geschäftsführer Ralph Weyda hatte einen Rollstuhl für die „Friedens-Dienst-Station“ – „Shanti Sewa Griha“ in Kathmandu gestiftet. Prakash, einer der „jungen Wilden“, die derzeit in dem dort angeschlossenen Waisenhaus leben, reagierte sofort – und „besetzte“ einfach dieses „superpraktische, tolle Gefährt aus Schwaben“. Seitdem vergeht kein Tag, an dem der 16-Jährige mit dem gewinnenden Lachen nicht mindestens einmal innehält und ein Dankesgebet gen Himmel entsendet, weil einer seiner größten Wünsche in Erfüllung ging. Weitere sind an all die Menschen gerichtet, die ihm diese fantastische Mobilität ermöglicht, ihm zuvor bereits ein zu Hause gegeben haben, die ihn zur Schule gehen lassen. Und an Freunde, die ihm aufzeigen, dass auch er eine Zukunft hat – in einem Land, in dem Behinderte ansonsten aus der Gesellschaft ausgestoßen werden – und man ihnen damit eigentlich ihre Daseinsberechtigung entzieht. Denn Invalidität wird in Nepal als Strafe der Götter angesehen. Selbst von der Lepra geheilte Menschen gelten weiterhin als „Aussätzige“, die zumeist nicht mehr in ihre früheren Lebensgemeinschaften zurückkehren können. Eine Tatsache, mit der die gebürtige Dortmunderin Marianne Grosspietsch in ihrem Engagement um ihren Adoptivsohn Puskal erstmals 1974 direkt konfrontiert wurde.
Nachdem sich in den darauf folgenden Jahren die Zustände in Nepal noch verschlimmerten, konnte die ehemalige Waldorfmutter nicht mehr tatenlos bleiben. Und so wurde am 15. Juli 1992 auf ihre Initiative hin der Verein Shanti Leprahilfe Dortmund gegründet, zeitgleich mit dem nepalesischen Armenhospital Shanti Sewa Griha in Pashupatinath. Die damals sieben nepalesischen Mitarbeiter begannen ihre Arbeit in der Station mit 34 Lepra-Patienten. Heute gibt es über 30 Hauptamtliche, die inzwischen nicht nur den Hauptstandort in Kathmandu betreuen, sondern auch in der ambulanten Krankenstation in Buddhanilkanta tätig sind. Täglich kommen über 100 Patienten – oft von weit entlegenen Landesteilen – zur medizinischen Versorgung. Die Behandlungen sind kostenlos, genauso wie in der 86-Betten-Klinik mit angeschlossener Schwerbehinderten-Kinderklinik, im Hospiz, die Betreuung im Kindergarten, in der staatlich anerkannten Schule und im Waisenhaus. Zudem gehören rund 1.500 Dauer-Schützlinge zur großen „Shanti-Familie“. Mehr als 330 von ihnen leben in selbst gebauten Lehm- und Bambushäusern in Buddhanilkanta. Sie arbeiten in insgesamt 14 Werkstätten, bedrucken dort Papier, arbeiten in der Schneiderei, stellen Spielzeug und Kunstgewerbe her, weben traditionelle Schals, bauen in der ökologischen Gärtnerei viele Gemüsesorten sowie Kartoffeln und Blumen an, und pflegen das Aufforstungsprojekt mit diversen Obstbäumen.
Doch alle Bereiche können so nur auf der Basis von zusätzlichen Spenden existieren. 30.000 Euro werden jeden Monat benötigt. Etwa 12.000 davon sind durch regelmäßige Zuwendungen gedeckt. Für die restlichen zwei Drittel leisten Marianne Grosspietsch und ihre Teams viel Überzeugungsarbeit. Da sind Zuschüsse, wie die Finanzierung der Grundstufe in der Shanti-Schule durch den Schauspieler Mario Adorf sowie Gymnasiasten aus dem Oldenburger Stadtteil Eversten, ein wahrer Glücksfall. Ein anderer: „Hape Kerkeling sollte in einer Prominentenrunde mitraten, bei der Sendung ,Wer wird Millionär', hatte aber noch kein Projekt, dem er sein erratenes Geld zukommen lassen könnte. Da traf er einen unserer Freunde, kam mit ihm ins Gespräch und beschloss, für Shanti zu raten.“ Das Ergebnis: „Eine halbe Million Euro, so viel hatten wir noch nie auf einmal bekommen! Das war wirklich ein Pfingstwunder durch Geistes-Gegenwart!” Noch immer verfolgt die heute 65-jährige mit Eifer und Elan ihre Projektziele. Längst schon hat sie die volle Unterstützung ihrer Tochter Dori Grosspietsch-Rindle, Inhaberin eines Dritte-Welt-Ladens, in dem zahlreiche Produkte aus den Shanti-Werkstätten angeboten werden. Im März 2006 wurde Marianne Grosspietsch für ihr Lebenswerk die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens verliehen. pro vita-Fair-Price-Aktion zur Unterstützung der Shanti Leprahilfe Die Stiftung pro vita hat die Shanti Leprahilfe unter anderem wieder im Jahr 2009 in ihrer Arbeit unterstützt. Für ihre Weihnachtsaktion gab sie 1.600 handbemalte kleine Blechelefanten in Kathmandu in Auftrag. Für diese wunderschönen, glücksbringenden Kunstwerke wurde ein „fair price” gezahlt, der es der Shanti Leprahilfe ermöglicht, die Erkrankten in den beschützenden Werkstätten arbeiten zu lassen. Denn nichts gibt diesen Menschen dort mehr Würde und Selbstwertgefühl, als eine angemessen entlohnte, sinnvolle Arbeit. Ausbildung und Qualifizierung nepalesischer Mädchen: Bindu Hima Devi Chamlagai Seit 2004 unterstützt pro vita Mädchen, die aus belasteten Verhältnissen kommen, mit Stipendien, um ihnen einen Schul- oder Ausbildungsabschluss zu ermöglichen. Die erste Nepalesin, die dieses Programm in Anspruch nehmen konnte, war Bindu Hima Devi Chamlagai. 10 Jahre alt war sie, als ihre Mutter an Tuberkulose starb, weil man es sich nicht leisten konnte, sie ärztlich behandeln zu lassen. Bindu musste die Schule abbrechen, um den ganzen Haushalt zu erledigen und ihre jüngeren Geschwister zu versorgen sind. Aber auch Bindu war erkrankt. Tag für Tag verschlechterte sich ihr Zustand. Schließlich brachte sie ihr Vater drei Monate nach dem Tod ihrer Mutter zur Organisation „Maiti Nepal“ in deren Zentrum in Kathmandu. Das war im Jahr 1990, und so entstand später der Kontakt zu pro vita sowie ihrer Patenfamilie in Schwäbisch Gmünd. Bindus sehnlichster Wunsch war es, den Lebensunterhalt für ihre Familie bestreiten zu können. Dafür benötigte sie – dessen war sie sich bewusst – eine ordentliche Ausbildung. Also entschloss sich pro vita dazu, ihr durch ein Stipendium zum fehlenden nepalesischen Schulabschluss zu verhelfen. Die Wahl fiel auf das Columbus College, wo sie schließlich mit viel Fleiß in der zwölften Klasse die Abiturprüfung bestand. Das wiederum ermöglichte ihr, ein Studium an der „Katmandu Academy of Tourism & Hospitality“ zu beginnen, wo sie seit diesem Jahr die Fächer Tourismus und Hotelmanagement belegt hat. Govinda-Projekt: Shangri-La Orphanage (Waisenhaus)
Erstmals im Jahr 2000 unterstützte pro vita den Bau des Waisenhauses der Govinda Entwicklungshilfe und seiner nepalesischen Partnerorganisation Shangri-La mit circa 11.000 Euro. Seit Oktober 2000 konnten durch die Errichtung von gleich zwei Gebäuden mit einer Nutz- und Wohnfläche von insgesamt über 1.000 Quadratmetern mehr als 50 Waisenkinder ein neues Zuhause finden. Allein, der Abschluss des Projektes war und ist damit aber noch lange nicht erreicht. Es gilt, die Entwicklung in Richtung dauerhafte Sicherheit voranzutreiben – und die damit verbundene „Selbsthilfekompetenz vor Ort“ zu stärken. Und so fördert die Stiftung pro vita im Rahmen der Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit mit Govinda weiterhin eine Reihe von Hilfsmaßnahmen. Beispielsweise stehen für insgesamt fünf Waisenkinder die für eine Patenschaft entsprechend notwendigen Finanzen bereits zur Verfügung. Die Bereitstellung der Mittel erfolgt mit Unterstützung von Bernardo Wehl und Uwe Haag, Geschäftsführer der Firma Wehl & Partner GmbH, Zimmern o. R.
Neu ist das Zahnpräventionsprojekt. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde bereits im April dieses Jahres getan: Die Zahnärztin Isabella Vogel unternahm auf Veranlassung der Stiftung pro vita eine Reise zu den Kindern im Shangri-La. Dabei wurden im eigens eingerichteten „Dental-Camp“ in Chapagoun aus den ursprünglich geplanten zwei Tagen dann ganz schnell vier Tage. Denn alles geschah unter einfachsten Bedingungen: Als Behandlungsstuhl diente ein einfacher Schemel, als Beleuchtung eine von „Assistenten“ gehaltene Taschenlampe. Dennoch gab es am Ende ein fantastisches Ergebnis sich: Insgesamt 197 Untersuchungen, 77 Behandlungen und 67 gezogene Zähne. Alles wurde von den Angestellten fein säuberlich notiert und dokumentiert – eine erste, solide Bestandsaufnahme und perfekte Grundlage für ordentliche Patientenakten. Und damit auch eine äußerst nützliche Informationsbasis für spätere Behandlungen.
Für eine fortdauernde Prävention will man als nächsten Schritt noch einmal ein umfangreiches „Putztraining“ für die Lehrer, die Kinder und deren Familien organisieren. Schon bei der ersten großen Einführung verfolgte ein Schulhof voller wissensdurstiger und lernbegieriger Kinder mit Staunen jeden Handgriff, den die Zahnärztin mit diesem ungewöhnlichen Instrument aus Kunststoff tätigte. „Damit auch künftig professionelle Untersuchungen durchgeführt werden, wird die Stiftung pro vita ein ‚Zahnarztnetzwerk' organisieren und dadurch sicherstellen, dass mindestens einmal jährlich ein in Deutschland niedergelassener Arzt oder eine Ärztin persönlich bei den Schülern in Nepal sein wird. Dieser kann einerseits das erwähnte „Putztraining“ durchführen und andererseits darüber befinden, welches Kind von einem nepalesischen Dentalmediziner weiter behandelt werden soll.
Anlässlich des nächsten Zahnarzt-Aufenthaltes in Nepal im Jahr 2010 werden wir zudem sicherstellen, dass in Zukunft auch ein geeigneter Dentalmediziner in Kathmandu für Folgebehandlungen zur Verfügung steht und bei Bedarf die wirklich armen Schüler sowie die Kinder aus dem Waisenhaus kostenfrei behandelt“, so Harald Röder abschließend. Wer an weiteren Informationen über die Stiftung interessiert ist, kann zum einen die betreffende Website www.stiftung-provita.de besuchen und zum anderen die Broschüre über den Sitz in Schwäbisch Gmünd beziehen, Telefon 07171 9997-30. (ca. 14.400 Zeichen, der Abdruck ist honorarfrei, ein Belegexemplar erbeten) Impressum: TEXT-REDAKTION Adriana Rossi KONZEPTION & GESTALTUNG Online Werbeagentur
Rems-Zeitung, 08.01.2010 |