IB-Info Nr. 20080505

„Internationaler Bund“ – Außenstelle Eislingen

Zukunftsaussichten für Sorgenkinder

Es waren gute Gespräche, die zwischen Lehrern öffentlicher Hauptschulen und Vertretern der Eislinger Niederlassung des Internationalen Bundes (IB) geführt wurden. „In Zukunft wollen wir einen solchen Informationsaustausch öfter durchführen“, so die einhellige Meinung aller Beteiligten.

Immer in Bewegung: Werkstattleiter Bernhard Presthofer erklärt die Inhalte der Grundlehrgänge im Metallfach.
Foto: privat

Eislingen. „Was können wir tun, um die jungen Menschen noch besser und gezielter auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten?“ Diese Frage war nur eine unter vielen, die in der Eislinger Niederlassung des „Internationalen Bundes“ (IB) erörtert wurde. Dessen Mitarbeiter hatten die für die Hauptschulabschlussklassen zuständigen Lehrer im Landkreis Göppingen eingeladen, um zum einen den IB samt seinem Angebot vorzustellen. Zum anderen wollte man erstmals eine gemeinsame Basis schaffen, auf der Möglichkeiten generiert werden können, die zum Vorteil insbesondere der „Sorgenkinder“ gereichen sollen. „Wir haben etliche Waisen mit Eltern“, konstatierte Wolfgang Joppich von der Schillerschule Eislingen. Seine Kollegin Ursula Braun erachtete es daher als äußerst positiv, dass beim IB auch für „schwächere oder schwierigere Schüler, die sonst keiner mehr haben will“, nach deren Abschluss die Aussicht auf einen Neubeginn bestehe.
Die Einrichtung bietet ab dem Schuljahr 2008/2009 für Hauptschüler beispielsweise die zweijährige „Berufsfachschule Wirtschaft“ im Vollzeitunterricht inklusive von Praktikumsblöcken, die mit der Fachschulreife abschließt. Wer im Rahmen des JOBSTARTER-Projekts noch ein weiteres Jahr investiert, darf danach sogar gleich in das Berufsleben einsteigen. Denn gute Schüler können mit Zusatzunterricht und einem Vollzeit-Betriebspraktikum, – also innerhalb von insgesamt drei Jahren – neben der fachlich gebundenen Mittleren Reife einen vollwertigen IHK-Abschluss zur Bürokauffrau beziehungsweise zum Bürokaufmann erreichen. „Diese VOKA - die Vorbereitung auf den Kammerabschluss - ist wirklich eine tolle Gelegenheit für alle, die gewillt sind, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“, so Sibel Murat, die Schulleiterin der Eislinger IB-Niederlassung. Auf Grund der Erfahrungen ihrer Vaihinger Kollegen, die bereits vor zwei Jahren mit diesem Konzept an den Start gegangen sind, „haben die angehenden Bürokaufleute echte Chancen auf eine Übernahme.“

Keinen aus den Augen verlieren

Ein anderes Angebot ist die einjährige Berufsfachschule Metalltechnik, die sich besonders für junge Menschen mit Talent im Handwerk eignet. Deren Abschluss dient dann als Erfahrungsnachweis – was im Übrigen von zahlreichen Lehrherren ganz gern gesehen wird: „Bereits nach dem ersten Jahr konnten wir 10 von 17 Schülern in eine Ausbildung vermitteln. Im Jahr darauf waren es schon 12 von 18 Schülern – Tendenz steigend. Hilfreich sind da natürlich unsere guten Kontakte zu etlichen metallverarbeitenden Betrieben, die wir schon seit den Zeiten pflegen, als noch Umschulungen in unserem Hause durchgeführt wurden“, erläutert der hiesige IB-Programmgeschäftsführer, Johann Dubb.
Bemerkenswert ist zudem nicht nur der ständige Austausch im Lehrer-Kollegium, sondern auch die enge Zusammenarbeit des IB mit den Eltern. „Wenn es sich nicht anders einrichten lässt, werden die Gespräche sogar in den Abendstunden oder am Wochenende geführt. Wir wollen einfach den Einzelnen nicht aus den Augen verlieren“, erläutert die Schulleiterin.
Ein weiterer Pluspunkt, der für die private Institution spricht, sind die kleinen Klassen, die eine individuelle Betreuung der Schüler wesentlich erleichtern. „Gerade für die Erweiterung der Sozialkompetenz in den Jahren der Pubertät und im Selbstfindungsprozess ist es wichtig, den Jugendlichen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen“, weiß Murat. Noch wichtiger sind diese Punkte für die Schüler mit Migrationshintergrund. „Viele von ihnen sehen sich selbst als Menschen zweiter Klasse – was für ihre Entwicklung natürlich ganz fatal ist.“ Erfahrungen, die sich mit denen der Hauptschullehrer decken – ebenso wie die in Sachen Konzentrationsschwächen oder Hyperaktivität vieler Kinder und Jugendlicher.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Dass die IB-Schüler letztendlich dennoch gut auf den Weg gebracht werden, ist sicherlich nicht zuletzt des großen Engagements des IB-Teams und der zum Teil langjährigen Erfahrung der Pädagogen zu verdanken. Mit welchen Schwierigkeiten diese so manches Mal zu kämpfen hat, stellte Rüdiger Moll, zuständig für den Bereich „Berufsfachliche Kompetenz“ (BFK), in einem kleinen Vortrag dar. Dabei stellte er unter anderem fest, dass viele Jugendliche zwar einen Computer besäßen, doch selbst an den Grundanwendungen beispielsweise von Textverarbeitungsprogrammen mitunter völlig scheiterten. „Ganz schlimm ist es teilweise auch in den abstrakten Fächern, wie Volkswirtschaftslehre. Vor allem, wenn es um Zusammenhänge geht, die im wahren Leben aus politischen und ökonomischen Gründen ganz anders gelagert sind.“ Viel Spielraum, den Schülern diese Theorie zu vermitteln, bleibe aber nicht, da sich auch der IB an die staatlich vorgegebenen Rahmen-Lehr- und Stundenpläne zu halten habe. Die Gäste nickten zustimmend – im Prinzip über weite Strecken dieselben, bekannten Probleme. Obwohl – so Joppich: „Neulich traf ich einen meiner ehemaligen Schüler, der mir stolz sein dickes Auto zeigte. Wie er denn dazu käme, wollte ich wissen. Er meinte: ‚Ich handle mit Äpfeln. Ich kaufe sie für zwei Euro ein und verkaufe sie für vier. Und von diesen zwei Prozent Unterschied lebe ich …’. Gut, er mag es geschafft haben, auch ohne über das entsprechende Wissen zu verfügen. Aber das ist doch eher die Ausnahme.“
Tatsächlich finden die Lehrkräfte derlei Lücken sogar mehr als alarmierend. „Niemand spricht oder schreibt über Themen, wie über die Müdigkeit unserer Schüler, verursacht durch ständige Reizüberflutungen. Oder den fehlenden Rückhalt durch die Eltern, des seelischen und körperlichen Ausgleichs. Was ist mit den Blockaden, der mangelnden Disziplin? Eine weitere Problematik ist, dass wir Lehrer nicht auf die heutigen Schüler vorbereitet sind oder wurden. Da tun sich immer mehr Aufgaben auf, die in den Bereich der Sozialpädagogik gehören.“ Da niemand mit schnellen Entscheidungen aus der Politik rechne, die den neuen Ansprüchen gerecht werden, wollen die Beteiligten nun mehr auf eigene Netzwerke setzen und in gemeinsamen Projekten mögliche Lösungen finden. „Denn was geschieht sonst vor allem mit den Schülern am unteren Rand?“

Die eigene Stärke entdecken

Die Hauptschullehrer nutzten bei dem Informationsnachmittag aber auch gleich noch die Gelegenheit, die IB-eigenen Werkstätten zu besichtigen. Ihr Leiter, Bernhard Presthofer, erklärte die Inhalte der Grundlehrgänge und berichtete, dass pro Jahrgang etwa ein Drittel der jungen Menschen merke, dass der Metallbereich gar nichts für sie sei. „Das ist natürlich so besser, als wenn ihnen das in der Lehre klar wird.“
Am Ende der Veranstaltung bekräftigten alle Beteiligten noch einmal die Hoffnung auf eine künftig engere Zusammenarbeit.

Wer ist der IB?

Bundesweit verfügt der IB über fast 12.000 Mitarbeiter, die in insgesamt 700 Einrichtungen jährlich rund 350.000 Menschen unterschiedlichster Nationen und Altersstufen in ihrer beruflichen und persönlichen Planung unterstützen. Ins Leben gerufen wurde der eingetragene Verein im Jahre 1949. Heute kooperiert er mit mehr als 60 Partnerorganisationen in 30 Ländern.
Weitere Informationen stehen im Internet unter www.ib-bildung.de und www.internationaler-bund.de.

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Impressum:
Johann Dubb (V.i.S.d.P.)
Programmgeschäftsführer
Internationaler Bund (IB)
Bildungszentrum
Stuttgarter Str. 92
73054 Eislingen
Tel.: 07161-98413-0
Fax: 07161-98413-22
E-Mail: Johann.Dubb@internationaler-bund.de
Internet: www.ib-bildung.de
Internet: www.internationaler-bund.de


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Adriana Rossi - aropra Presse- und PR-Service - E-Mail: info@aropra.de