Oktober
2001/März
2002
Berufsbild „Leichtflugzeugbauer“
Schon als Azubi ein Pionier der
modernen Luftfahrt
Manch junger
Mensch schlägt schon gleich nach seiner schulischen Laufbahn einen außergewöhnlichen
Berufsweg ein. Ein solches Beispiel liefert Simon Allert aus dem schwäbischen
Heubach bei Aalen: Anfang September hat der 15-Jährige eine Ausbildung
zum Leichtflugzeugbauer aufgenommen – und mischt sich damit unter
die zeitgenössischen Pioniergeister.

Simon assistiert seinem Kollegen Boris
Scharfenbaum beim Einschweißen eines Querrohr in den
Rumpf des Doppeldeckers „Sunwheel“. Zuvor hat
der angehende Leichtflugzeugbauer schon bei der Herstellung
einer geeigneten Vorrichtung zum Drehen des Rumpfes mitgewirkt.
Fotos: Adriana Rossi
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„Ich hatte einfach durchweg
riesiges Glück“, erzählt der frischgebackene Auszubildende,
dessen Erfolgsgeschichte sein äußerst engagierter Lehrer,
Ulrich Elser, eingeleitet hatte. Der achtete nämlich schon bei
der Auswahl der Firmen für die in der achten Klasse wöchentlichen
Betriebstage darauf, dass die jeweiligen Handwerks- und Industriezweige
so weit wie möglich mit den Interessen und Talenten seiner Schüler übereinstimmten.
So kam es, dass sich der Pädagoge im Falle Simon Allert bei der
ortsansässigen W.D. Flugzeugleichtbau GmbH stark machte. Ihr Inhaber,
der Konstrukteur und ehemalige Kunstflugprofi Wolfgang Dallach, ließ sich
auch nicht lange bitten. „Ich bin es gewohnt, junge Leute um
mich zu haben“, erklärt der Firmenchef, der selbst Vater
ist. „Manchmal haben wir sogar ganze Schulklassen zu einer Betriebsbesichtigung
hier. Da fiel mir die Zusage, den Jungen zu uns einzuladen, natürlich
sehr leicht.“
Also kam Simon, er sah – und blieb. Zunächst als Ferienjobber,
jetzt als Azubi. Eine völlig neue Erfahrung auch für das
Team. Denn, „bislang hatten wir nur Personal eingestellt, das
bereits über einige Berufserfahrung verfügte“, erzählt
Dallach. Doch nach den guten Erfahrungen, die der Betrieb mit Simon
gemacht hatte, sowie aufgrund der fachlichen Kompetenz und der ausgezeichneten
Marktstellung der Firma, entschloss sich die Geschäftsleitung
kurzerhand, künftig zumindest einige Kräfte im eigenen Haus
auszubilden. So wurde im Laufe eines Jahres aus dem „Praktikanten
Simon“ der „angehende Leichtflugzeugbauer Simon Allert“.

Der Beruf des Leichtflugzeugbauers ist
sehr abwechslungsreich. Eine der „typischen Handbewegungen“:
der Auszubildende laminiert aus Glasfasergewebe und Kunstharz
eine Versteifung, die der Festigkeitserhöhung eines Aluminiumrohres
dient.
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Sein direkter Ansprechpartner ist
der Technische Leiter, Jörg
Lasse, der nun als Lehrherr ebenfalls ein Debüt gibt: „Eine
anspruchsvolle Aufgabe, die ich mir mit der Gewerblichen Schule Waiblingen
teile. Doch es macht Spaß, einem jungen Menschen sein eigenes
Praxiswissen zu vermitteln.“ So stehen Simon drei abwechslungsreiche
Jahre im dualen System bevor, mit Lehrinhalten, die speziell auf die
Verarbeitung der im Flugzeugleichtbau verwendeten Materialien abgestimmt
sind. Im ersten Block des Ausbildungsplans, der unmittelbar auf die
im Leichtflugzeugbau erforderlichen Fachkenntnisse hinzielt, erlernt
der Auszubildende das Lesen und Anfertigen von Zeichnungen und Skizzen,
das Be- und Verarbeiten von Holzwerkstoffen, sowie den Umgang mit Metallen
und Kunststoffen. Obendrein erhält er Unterricht in Sachen Unfallverhütung
und Umweltschutz. Im Zweiten Lehrjahr geht es vor allem um die Herstellung
von faserverstärkten Kunststoffteilen im Handlaminierverfahren,
die Verfahren der Wärmebehandlung dieser Teile, das Einrichten
und Bedienen diverser Maschinen, die Produktion von Teilen und Hauptgruppen
für Leichtflugzeuge, sowie verschiedene Verfahrenstechniken zur
Oberflächenbehandlung. Bevor es dann ins dritte Lehrjahr geht,
muss Simon an einer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) durchgeführten
Zwischenprüfung teilnehmen. Danach gilt es, Fähigkeiten zu
erlernen, die der Auswahl von Werkstoffen für den Formen- und
Vorrichtungsbau dienen, das Anfertigen von Schablonen und Vorrichtungen
betreffen, und schließlich Simons Lieblingstätigkeit, nämlich
die Endmontage von Leichtflugzeugen umfassen. Noch eine Abschlussprüfung,
und dann hat Simon die staatlich anerkannte Ausbildung zum Leichtflugzeugbauer
absolviert.

Montage eines Propellers an dem aus dem
Hause Dallach stammenden Tiefdeckers „Fascination“.
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Mit seinem Traumberuf steht Simon
allerdings immer noch ziemlich allein auf weiter Flur. Ein Gefühl,
das sein Arbeitskollege Boris Scharfenbaum sehr gut nachvollziehen
kann. Zwar existiert der Zweig des Leichtflugzeugbauers
zumindest in Nordrhein-Westfalen bereits seit 1986, doch als Scharfenbaum
selbst vor acht Jahren im heimatlichen Sauerland den Beruf des Leichtflugzeugbauers
erlernte, war auch er nur einer von insgesamt gerade mal drei Azubis
gewesen – und das bundesweit. „Damit gehörte ich weiterhin
zu den ‚Pionieren’ meines Berufes“, erklärt
er. Ein Titel, der wohl selbst auf Simon noch zutrifft – trotz
der 15 Jahre, die seit der Bildung dieser Spezialisierung vergangen
sind. „Wahrscheinlich ist der Beruf einfach generell zu unbekannt“,
vermutet Scharfenbaum. Verständlich ist ihm diese Tatsache allerdings
nicht, denn „es besteht sogar ein sehr hoher Bedarf an ausgebildeten
Fachkräften in der Luftfahrtbranche. Nur eben nicht beschränkt
auf die Bundesrepublik Deutschland, sondern weltweit. So suchen beispielsweise
die Organisatoren der ‚Bitter Water Lodge’ in Namibia alljährlich
Saisonarbeiter, welche die Instandsetzung der beschädigten Flugzeuge
durchführen.“
Derzeit erlernt Simon den gleichen
Unterrichtsstoff wie seine Klassenkameraden, allesamt ausschließlich
angehende Verfahrensmechaniker für
Kunststoff und Kautschuk. Dabei sind jedoch lediglich zwei Drittel
der Kenntnisse, die er für seinen Beruf benötigt, mit denen,
die seine Mitschüler später brauchen, identisch. Das letzte
Drittel bezieht sich auf die Motorentechnik. Diesem unglücklichen
Umstand, dass es selbst auf überregionaler Ebene keine speziellen
Berufsschulklassen für junge Menschen wie Simon gibt, versuchen
jetzt die Industrie und Handelskammern in Zusammenarbeit mit den Flugzeugherstellern
entgegenzuwirken. So soll künftig aus den in der gesamten Bundesrepublik
verteilten Azubis zumindest eine an die Anforderungen des Leichtflugzeugbaus
angepasste Klasse gebildet werden. Bislang ist das allerdings noch
Zukunftsmusik, so dass Simon voraussichtlich ab dem Zweiten Lehrjahr
in die Berufsbildende Schule nach Speyer fahren muss. Dort wurde im
August 2001 eine Bezirksfachklasse für Fluggerätmechaniker
und Leichtflugzeugbauer eingerichtet, die für Auszubildende aus
Rheinland-Pfalz und angrenzende Bundesländer geöffnet ist.

Simon Allert ist glücklich über
die Ausbildungschance, die ihm sein Chef Wolfgang Dallach
ermöglicht.
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Nach seiner Ausbildung hofft Simon
erst einmal bei der W.D. Flugzeugleichtbau GmbH bleiben zu können,
um weitere Fachkenntnisse und einiges an Berufserfahrung zu erlangen.
Doch hätte er andererseits die
Möglichkeit, sich durch Fachkurse zum Technischen Zeichner oder
Konstrukteur weiterzubilden. Aufstiegschancen bieten – nach entsprechender
Berufserfahrung – schließlich auch Anstellungen wie beispielsweise
als Prüfer von Luftfahrtgeräten oder als Flugzeugbautechniker.
Genauso gefragt sind ausgebildete Kräfte in berufsbildenden Fachschulen
tätig, für Simon jedoch gegenwärtig noch unvorstellbar.
Im Moment ist er einfach nur glücklich über die Chance, seinen
Traumberuf erlernen zu können.
Weitere Informationen zum Berufsbild des „Leichtflugzeugbauers“:
entweder direkt bei der Firma W.D. Flugzeugleichtbau GmbH, Heubach,
oder bei der IHK Heidenheim. (Text: Daniel Hautmann, im journalistischen
Praktikum)
(ca. 7.670 Anschläge)
REDAKTION
Adriana Rossi - aropra Presse- und PR-Service - E-Mail: info@aropra.de
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