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November 1999 / August-Oktober 2000 Portrait Herbert Maierhofer Farbe für die Welt Er gehört zu den Unermüdlichen, die nichts so schnell erschüttern kann, mit ungebremstem Schaffensdrang. Herbert Maierhofer, seines Zeichens Künstler und Innenarchitekt, bei dem immer etwas passieren muß. Seine Objekte, seine Skulpturen, seine Bilder, alle leben und strahlen positive Energien aus. Während sich Maierhofer in seiner Heimat Österreich schon längst einen Namen erarbeitet hat, beginnt man hierzulande gerade erst, ihn zu entdecken. Sein Referenzobjekt: die erste Künstler-Raststätte Deutschlands „Illertal Ost“ an der A7 Richtung Memmingen.
Viel Herzblut, Phantasie und Philosophie habe er in dieses Projekt gesteckt, erinnert sich der Künstler. „Denn die Planung umfaßte einfach alles, vom Grundriß bis hin zur Gestaltung der Serviette. Und das geht nicht, ohne sich grundlegende Gedanken über die Funktion eines solchen Hauses zu machen.“ Eines war jedoch von Anfang an klar: „Der ermüdete Autofahrer soll sich erholen, wohlfühlen, Kraft tanken können, und auch etwas erleben.“ Verschiedene Nationen - verschiedene Baustile Daß sich bei dem Objekt diverse Baustile der Historie und der Gegenwart miteinander vermischen, ist nicht nur ein Fingerzeig in die Zukunft. Maierhofer selbst mag die Klassik ebenso wie die Moderne. Und er mag die Menschen. Ihnen will er mit seinen Werken nichts als Freude bereiten. Und gerade die Autobahn A7 weist eine Spezifikation auf, die besonders viele unterschiedliche Menschen zusammenführt: Als Straße in den Süden wird sie von Angehörigen der verschiedensten Nationen benutzt. Und alle sollen sie etwas von ihrer Mentalität, ihrem Gemüt, ihrer Heimat in und an der Raststätte finden. Was übrigens für die großen wie für die kleinen Besucher gleichermaßen gilt. Eine Weltanschauung, mit der man sogar selbst die drei Türme „Eistüte“, „Sahnehäubchen“ und „Maiskolben“ nicht nur als simplen Hinweis auf die kulinarischen Genüsse interpretieren kann, die der Gast hier erwarten darf. „Sie könnten auch die drei Weltreligionen bedeuten“, so Maierhofer. Oder einfach nur schön sein. Es könnte jeder sein Wer die Kreativität liebt und sich ein gewisses Maß an kindlicher Freude bewahrt hat, muß sich hier schlicht wohlfühlen. Märchen und Geschichten von Phantasiegestalten wie dem „Seifenblasenmonster“ umwehen die Raststätte. Ebenso wie die Legenden um die allgegenwärtige Figur des „Running Man“, stellvertretend für den ruhelosen Reisenden, egal, ob dieser gemütlich unterwegs ist oder er sich abhetzt. Und „Homo Luftikus“, die Vereinigung des Schneiders von Ulm, der seinen Traum vom Fliegen um jeden Preis umsetzen wollte, und Albert Einstein, der Mann der großen Visionen, auch das könnte jeder sein. Jeder, der nie aufgibt an etwas zu glauben. Selbst wenn es nur an die zwölf Sternzeichen ist, deren Symbole auf dem Areal als ideenreiche Skulpturen bewundert werden können. „Sollte ich doch einmal Gefahr laufen, wie ein Erwachsener zu denken, bringen mich meine beiden Söhne wieder ganz schnell zur Räson.“ Dieser spielerische Umgang mit den Junioren des Künstlers spiegelt sich am gesamten Objekt wider. Farben, Licht und Schatten, stets ist irgendwo irgendetwas in Bewegung. Dazu Vogelgezwitscher in den Sanitärräumen. Griechische Tempelarchitektur, ein chinesisches Pagodendach und venezianische Fenster beschwören Träume und Sehnsüchte aus der tiefsten Seele des Menschen herauf.
Zahlreiche Ausstellungen „Jedes kleinste Detail ist ein Stück meiner Persönlichkeit, eine Episode aus meinem Leben, ein Einblick in mein Verständnis vom Leben.“ Daß diese Details in solcher Hülle vorhanden sind, hängt mit den bisherigen Stationen und Erfahrungen des Künstlers zusammen. Bis zu seinem vierten Lebensjahr reichen die Erinnerungen Maierhofers zurück, „als ich bei einer selbst-inszenierten Graffiti-Aktion die Wände in meinem Elternhaus bemalte.“ Nur zwei Jahre später nahm er an einer Ausstellung in der Volksgalerie im heimischen Birkfeld teil. Der Weg des kleinen Herbert schien also schon damals klar gezeichnet. Daß Kunst und Architektur für Maierhofer zusammengehören und eins sind, fand er als 16jähriger Teenager heraus. Da verlegte er bereits seine ersten Drainagerohre. Dies führte ihn nach dem Abitur 1976 zunächst an die Technische Universität nach Graz, wo er sich sechs Jahre in die Geheimnisse der Architektur einweihen ließ. Dann folgten drei Jahre in Wien, ebenfalls an der Technischen Universität. Seine Jobs zur Finanzierung des Studiums wie etwa als Hausbursche in dem altwiener Restaurant „Waldheimat“ sowie seine einschneidenden Erlebnisse während seines Zivildienstes, bei dem er als Bewährungshelfer im Haftenlassenen-Heim in Wien tätig war, sie alle sind in bildender oder architektonischer Kunstform in seinen Kunstobjekten eingeliedert.
Geomantie zur Orientierungshilfe Den dritten Teil seines Könnens lernte das Multitalent in der steirischen Stadt Weiz, wo er vier Praxisjahre in Innenarchitektur absolvierte. Den Sprung ins kalte Wasser der Selbständigkeit wagte der junge Mann sofort danach, wobei er bereits damals auf eine Reihe erfolgreicher Ausstellungen in ganz Europa verweisen konnte. Am Erfolg hat sich bis heute nichts geändert. Zahlreiche Projekte mit der unverkennbaren Handschrift des Herbert Maierhofer spiegeln all die persönlichen Freuden und Leiden des weitgereisten Künstlers wider, gewähren einen Einblick in die Lebensphilosophie des im Sternzeichen Löwen Geborenen, die von der Lehre der Geomantie beeinflußt wird. Wir freuen uns deshalb schon jetzt auf die nächsten Projekte und verfolgen mit Spannung den weiteren Weg, wohin er auch immer führen mag. (ca. 6.000 Anschläge)
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TEXT Adriana Rossi
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POSITIV, Ausgabe III, Oktober bis Dezember 2000 |